Ist es möglich, mit einem Homepage-Baukasten professionelle Websites zu erstellen?
Quelle: istockphoto.com

Ist es möglich, mit einem Homepage-Baukasten professionelle Websites zu erstellen?

Foto eines Baukastens
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Manuela Potthast hat mir ein Blogstöckchen zugeworfen, das ich im Rahmen ihrer kleinen Blogparade auf Beschäftigungs-Therapie.de gern aufgreife. Meine Kunden sind ja bekanntermaßen vorwiegend kleine und mittelständische Unternehmer. Da die Marketing-Budgets in dieser Zielgruppe im Allgemeinen eher überschaubar sind, begegnen mir zum Beginn unserer Zusammenarbeit immer wieder Websites, die mit Homepage-Baukästen erstellt wurden. In der Regel genügen diese professionellen Ansprüchen leider nicht.

Wo liegen die Hauptprobleme der Homepage-Baukästen?

Die Versprechen der Baukasten-Anbieter sind vollmundig: „Der XYZ-Homepage Baukasten konfiguriert Ihre Homepage quasi von selbst.“ oder auch „professionelle Designs sind bereits eingebaut“ und „Die komplette Websiteerstellung erfolgt mit nur wenigen Klicks.“ Aber stimmt das wirklich?

Technisch gesehen halten alle Anbieter ihre Versprechen weitestgehend auch ein. Es genügen tatsächlich wenige Klicks, um eine Website zu erstellen. Doch die Ergebnisse sind in der Regel trotzdem alles andere als professionell. Woran liegt das?

Der Unterschied zwischen Können und Wollen

Auch wenn viele Menschen gutes von schlechtem Design unterscheiden können – etwas theoretisch zu wissen bedeutet noch lange nicht, dass man es auch selbst umsetzen kann. In der Musik beispielsweise ist das jedem sofort klar: Selbst, wenn ich die Virtuosität eines Klavierspielers erkenne (und anerkenne), bedeutet das noch lange nicht, dass ich ohne entsprechende Ausbildung und Übung (viel Übung!) zum gleichen Ergebnis kommen werde, wie der Profi-Musiker.

Seltsamerweise verhält es sich bei den Themen Marketing, Gestaltung, Fotografie oder Texten ganz anders. Schließlich sind wir alle Werbeprofis, seit Kindesbeinen an – man wird ja täglich mit Werbung geradezu bombardiert, in allen denkbaren Medien. „Schreiben haben wir schon in der Grundschule gelernt. Kann also nicht so schwer sein.“ „Meine Kamera macht tolle Fotos, schließlich hat sie ja 57 verschiedene Programme. Also kann ich auch fotografieren. Eine eigene Website mache ich doch da gleich auch noch selbst.“

Eine gute Website besteht jedoch nicht nur aus der Programmierung und technischen Administration, sondern aus vielen weiteren Komponenten – und das Ganze ist mehr als die bloße Summe aller Teile.

Was spricht gegen Homepage-Baukästen?

Die in meinen Augen wichtigsten Punkte, die gegen eine selbstgebastelte Website mit einem Homepage-Baukasten sprechen, sind:

  • Design und Layout: Mit dem Layout einer Website verhält es sich wie mit Kleidung. Natürlich findet man etwas halbwegs Passendes „von der Stange“, doch wer jemals ein maßgeschneidertes Kleidungsstück sein eigen nennen durfte, weiß, dass der Unterschied im Tragekomfort signifikant ist. Auch wenn es hunderte verschiedener Templates gibt – letztlich handelt es sich im Grunde nur um Variationen, die farblich angepasst werden können.
  • Farben: Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters, doch über die psychologische Wirkung von Farben, über mögliche Farbfehlsichtigkeiten bei den Lesern und über einfach schlechte Farbzusammenstellungen (weil sie beispielsweise kontrastarm sind) machen sich nur die wenigsten Nebenbei-Website-Gestalter Gedanken.
  • Nutzerführung und Zielsetzung: Oftmals ist die Nutzerführung auf einer selbstgebauten Website alles andere als optimal. Da muss zum Beispiel unnötig oft geklickt werden, um an die gewünschte Information zu kommen oder die Gruppierung in Ober- und Untermenüpunkte ist nicht durchdacht und sinnvoll. Auch die Zielsetzung der Website wird im Vorfeld und in der Umsetzung nicht durchdacht. Soll die Website informieren, soll sie verkaufen oder soll sie Kompetenz im Fachbereich signalisieren? Am liebsten natürlich alles auf einmal – aber das gibt es allenfalls bei Überraschungseiern (Spannung, Spiel und Schokolade!)
  • Bildeinsatz: Fotos und Grafiken sind ein weiteres Element, bei dem ein unprofessioneller Ansatz sofort ins Auge springt: Die Fotos selbst sind oftmals schlecht komponiert, das wesentliche Bildelement nicht richtig in Szene gesetzt. Werden Fotos von anderen verwendet, werden gern die Bild- und Lizenznachweise vergessen oder gleich munter Fotos aus dem Internet herunter geladen, für die keine Nutzungsrechte erworben wurden. Die Fotos werden in zu hoher Auflösung eingebunden (und erzeugen damit unnötige lange Ladezeiten) oder – das andere Extrem – es werden winzig kleine Bildchen ohne echte Aussagekraft willkürlich in den Text eingebunden.
  • Texte: Auch hier finden sich gerne Extreme wieder. Entweder, der Website-Betreiber schreibt ellenlange Texte mit Bandwurmsätzen, die weder strukturiert noch untergliedert, geschweige denn, suchmaschinenoptimiert verfasst sind. Oder der Website-Betreiber gehört mehr zur wortkargen und einsilbigen Fraktion und meint, dass bereits mit wenigen Stichworten alles gesagt ist – den Rest kann der Leser sich dann gerne denken. Das funktioniert so natürlich beides nicht.
  • Pflege: Einmal erstellt und nie wieder angesehen, das ist das Motto vieler im Selbstbau entstandener Websites. Der mit viel Tamtam gestartete Newsbereich weist als letzten Eintrag eine Einladung zum Tag der offenen Tür auf – von vor zwei  Jahren! Das für manche offenbar unerlässliche Gästebuch strotzt vor Kommentaren, die jede Menge Spam-Links enthalten. Die Kontaktdaten und Ansprechpartner sind sowieso schon lange nicht mehr aktuell.
  • Rechtliches: Oft machen sich die selbsternannten Webdesigner nicht einmal die Mühe, danach zu googlen, welche Angaben ein rechtssicheres Impressum erfordert – und öffnen somit abmahnenden Mitbewerbern Tür und Tor.
  • Marketing-Mix: Last but not least passt die Website aus dem Baukasten oft auch nur bedingt zu den restlichen Marketing-Materialien des Unternehmens. Hier gibt es so viele Möglichkeiten, etwas falsch zu machen, dass es einen eigenen Blogbeitrag wert ist.

Mein Fazit zu den Homepage-Baukästen

Homepage-Baukästen haben ihre Berechtigung: Für ambitionierte hobbymäßige Betreiber, die schnell und ohne Aufwand ihr Thema online stellen möchten. Für Unternehmer, die sich professionell präsentieren wollen und müssen sind sie keine Alternative. Letztlich gebe ich auch noch eines zu bedenken: Viele der notwendigen Arbeiten, um eine eigene Website auch mit einem Baukasten-System zu erstellen, kosten den Laien sehr viel Zeit und Aufwand. Diese sollte besser in die Akquise und die Auftragsausführung gesteckt werden. Davon kann dann auch gleich die professionell erstellte Website beziehungsweise der professionell erstellte Blog bezahlt werden.

Nachtrag: Blogparade-Mitstreiter:

Hier nun auch noch die Links zu den Beiträgen von Manuela Potthast, der Initiatorin dieser Blogparade und Andre Holota:

Professionelle Webseiten – was ist wichtig?

Manuela PotthastManuela Potthast ist Mediengestalterin und Social Media Managerin. Sie schreibt über Social Media und Mediengestaltung in ihrem Blog und ist in Sozialen Netzwerken unter folgenden Adressen zu finden:

Blogparade: Professionelle Internet-Seiten

Andre HolotaAndre Holota ist zertifizierter Social Media Manager IHK und unterstützt kleine und mittelständische Unternehmen beim Erstellen einer Social Media Strategie. Zu finden ist er unter Facebook, Google+ und Twitter in seinem Blog schreibt er über Social Media, Technik und weiteren Themen.

Dieser Beitrag hat 11 Kommentare

  1. Danke für den guten Beitrag. Aus rein rechtlicher Sicht kann ich nur bekräftigen, dass eine solche selbst gezimmerte Homepage keinesfalls ohne vorherige rechtliche Prüfung online gehen sollte. Das Abmahnrisiko ist enorm und die Kosten liegen dann schnell höher als bei Beauftraghung einer professionellen Lösung.

    1. Hallo Herr Schutt,
      vielen Dank für Ihren unterstützenden Kommentar. Besonders Existenzgründer machen beim Impressum leider viele Fehler.
      Beste Grüße
      Birgit Schultz

  2. Robert Brandl

    Danke für diesen Beitrag, leider habe ich ihn erst heute entdeckt. Was Sie sagen ist schon richtig, allerdings kann man auch seine Baukasten-Website mithilfe eines Dienstleisters aufbauen, der einen bei der Bildauswahl und dem Texten unterstützen kann. Ich würde nicht unbedingt dem Baukasten, also dem Werkzeug die schuld geben, wenn die Website nicht professionell wirkt. Viel mehr ist es teilweise das übertriebene Sparen, das dazu führt gar keinen Profi zu engagieren für seinen Internetauftritt.
    Im Punto „Pflege“ muss ich aber hinzufügen, dass hier der große Vorteil eines Homepage-Baukastens liegt: auch der Normaluser kann hier mal schnell Text anpassen, einen Spamlink löschen oder ein Bild hochladen. Die wirklich angestaubten Websites sind häufig solche, die handgecodet wurden und wo sich der Dienstleister nicht mehr ausfindig machen lässt.
    Viele Grüße,
    Robert Brandl

  3. lora

    Vielen Dank für den informativen Artikel!

    1. Freut mich, dass er gefällt! Schon mal ein Tipp: Am 11. Januar starte ich eine neue (zusätzliche) Website mit Blog unter http://www.marketing-zauber.de – hier werde ich mein Wissen zum Online Marketing für kleine Unternehmen und Solopreneure weitergeben, die den Schwerpunkt ihres Geschäfts mit Kunden vor Ort bestreiten.

  4. Tanja

    Vielen Dank für den Beitrag. Es ist interessent über Vor- und Nachteile von Homepage-Baukasten zu lesen. Ich war sehr lange auf der Suche nach einem guten Homepage-Baukasten System. Ich habe meine Seite mit Vorlagen http://www.templatemonster.com/de/ erstellt. Ich bin sehr zufrieden, dass ich das geschafft habe.

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