Gedanken zum Kampf der Medien gegen Adblock-Nutzung
Mit diesem Text begrüßt heute die Süddeutsche.de ihre Leser, die einen Adblocker nutzen.

Gedanken zum Kampf der Medien gegen Adblock-Nutzung

Aktuell läuft auf den Seiten der großen Nachrichten-Websites wie spiegel-online.de, FAZ.net, Zeit.de aber auch Golem.de eine Kampagne gegen die Adblock-Nutzung. T3n.de ruft schon länger dagegen auf. Anlass genug also, sich dazu einmal einige Gedanken zu machen.

Ich habe nichts gegen Anzeigen. Natürlich nicht. Ich bin Marketing-Beraterin, Werbung ist mein Geschäft und zu meinen Aufgaben gehört es, für meine Kunden optimale Werbestrategien zu entwickeln und maximale Sichtbarkeit in den Medien zu erreichen.

Trotzdem nutze ich selbst Adblocker. Warum?

Seit 1996 nutze ich das Internet, sowohl geschäftlich wie auch privat. Zu Unterhaltungszwecken ebenso wie für meine Weiterbildung. Mitte der 1990er Jahre war online Werbung eher harmlos. Hier und da tauchten Werbebanner auf und ich habe sie – wenn mich Produkt oder Leistung interessierten, gerne geklickt. Als Marketing-Leiterin habe ich diese Werbeform für das Unternehmen, bei dem ich angestellt war, zu Werbezwecken gebucht.

Online-Werbung läuft aus dem Ruder

Doch dann ging es los. Banner wurden größer, mehr, viel mehr und vor allem: sie begannen, sich zu bewegen. Anfangs noch einfache GIF-Animationen, später ganze Flash-Filmchen. Große, kleine und Skyscraper-Formate, dazu Overlays, Underlays und was man sich noch alles vorstellen kann. Das war der Moment, in dem ich begann, mich nach Adblockern umzusehen.

Ich mag einfach nicht in dem ganzen optischen Geplärre mühsam und zeitaufwändig die Info herausfiltern  müssen, die mich interessiert. Und das sage ich, als jemand, der in der Branche arbeitet! Meinen Kunden rate ich inzwischen in der Regel von dieser Werbeform ab. Weil sie nervt. Die einen blenden sie aus – so wie ich. Die anderen wissen nicht um Adblocker, fühlen sich davon bedrängt und werden sicher nicht freiwillig auf die Anzeigen klicken, oftmals aber versehentlich, was immer zu Unmut führt. Meine Teilnehmer in der AltenAkademie in Dortmund, die gerade ihre ersten Schritte ins Internet unternehmen, sind von dem optischen Overkill einfach überfordert. Die Erleichterung, die sich in ihren Gesichtern ablesen lässt, wenn ich ihnen erzähle, dass es Adblocker oder Lesetools wie Clearly oder Pocket gibt, die den ganzen ablenkenden Overhead einfach ausblenden, sollten die Werbeverantwortlichen in den Unternehmen einmal sehen! Positives Image verschafft man sich anders!

Auf der Seite der Absatzwirtschaft ist folgendes Zitat zu finden:

„Der Grund ist, dass viele das Internet nicht verstanden haben und einfach das Konzept der TV-Werbung – maximale Aufmerksamkeit erzeugen – kopieren“, schreibt Adblock.

 

Das ist aber heute sowohl zu viel als auch zu wenig! Natürlich wollen und müssen die Nachrichten-Websites Geld verdienen. Ich bin die letzte, die einfach alles kostenlos im Internet erwartet. Gute journalistische Leistung muss bezahlt werden, keine Frage. Doch ich frage mich ernsthaft, ob es nicht weniger hochgerüstet geht. Zumal, wenn ich keine Wahl habe.

Wie geht es weiter nach dem Aufruf gegen Adblock-Nutzung?

Angenommen, die Nutzer folgen nun in breiter Front dem Aufruf. Einnahmen generiert das bloße Einblenden der Werbebanner aber noch nicht. Erst der Klick sorgt für die Conversion. Werden wir also in einem Jahr einen neuen Aufruf auf den Seiten lesen? Etwa in der Art: Gucken Sie unsere Werbung bitte nicht nur an, klicken Sie gefälligst auch mal darauf? Oder werden demnächst die Anzeigen den Artikeln einfach vorgeschaltet, so dass man sie mit Klick auf die Anzeige erst „freischalten“ muss? Ich hoffe, dass da den Medien doch deutlich leserfreundliche Modelle einfallen, mit denen sie ihre (notwendigen) Einnahmen generieren können!

 

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Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

  1. Markus

    Hallo Birgit.
    Ja das mit der Werbung ist eine verzwickte Sache.
    Aber die Werbung noch größer zu machen oder noch aggressiver zu machen ist keine Lösung. Damit vergrault man sich nur seine Leser.
    Gerade obig genanntes Magazin hat mich zB. als Leser verloren weil Sie die Werbung schon beim öffnen der Seite als Popup über die ganze Seite geschalten haben.
    Das lasse ich mir als Leser nicht bieten.
    Es gibt im Internet genug Alternativen…
    Und es gibt auch mehrere Alternativen als diese aufdringlichen Werbebanner welche die Leser wahrscheinlich nur vergraulen. Denn was nützen einer Seite die Werbebanner wenn nicht nur keiner klickt sondern die Seite dadurch keiner mehr liest…
    Viele Grüße
    Markus

    1. Hallo Markus,
      vielen Dank für Deinen Kommentar! Wahrscheinlich wird aber eher auf- als abgerüstet – ist meine Befürchtung.
      Beste Grüße
      Birgit

  2. Heiner Tenz

    Das Abschalten der Ad-Blocker könnte viele Surfer nur noch mehr abspenstig machen. Ad-Blocker ausschalten bedeutet doch auch, dass man diese Internet-Plage allgemein, also für alle Seiten zulässt. Wer macht das schon, für einzelne Seiten Ausnahmen zu definieren?

    Danke für den guten Beitrag zum Thema!

    1. Hallo Heiner,
      vielen Dank auch für Deine Meinung zu meinem Beitrag. Ich hatte sogar den Adblocker für t3n.de abgeschaltet, nach dieser Aktion erwäge ich aber, ihn auch dort wieder zu aktivieren …
      Beste Grüße
      Birgit

  3. mld

    Hi,
    Das viel nervigere Problem ist eher das Verfolgen der Leser (und ich glaub auch das damit eher Einnahmen generiert werden können) durch die „Werbepartner“ der Onlinemedien.

    Hab eben mal eine Collusion-Karte eines Spiegel-online Besuchs, mit dem Klicken auf drei willkürliche Artikel oben als Webseitenlink hinterlegt. Schon erstaunlich, was da an (Quer-)Verbindungen zusammenkommt.

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